Die Einführung von Googles KI-basierten Suchergebnissen (AI Overviews) stellt die SEO-Welt auf den Kopf. Ein aktuelles Praxisbeispiel zeigt jedoch, dass nicht nur große Publisher profitieren. Mit der richtigen Content-Strategie können auch kleinere Nischenseiten Sichtbarkeit in der neuen Suche erlangen – selbst gegen Giganten wie Focus oder Bild.
Die Suchmaschinenoptimierung (SEO) steht vor ihrem vielleicht größten Umbruch seit Jahren. Während Google zunehmend KI-generierte Zusammenfassungen direkt in den Suchergebnissen ausspielt, wächst bei vielen Webseitenbetreibern die Sorge um den Traffic-Verlust. Doch neue Analysen zeigen, dass der sogenannte „KI-Modus“ auch Chancen bietet. Ein bemerkenswerter Case dreht sich um die Berichterstattung zur Insolvenz des Unternehmens „Denttabs“. Hier gelang es einer vergleichsweise kleinen Branchen-Webseite, sich inmitten der Ergebnisse von großen Nachrichtenportalen wie T-Online, W&V oder Bild zu behaupten.
David gegen Goliath in den SERPs
Sucht man nach aktuellen Wirtschaftsnachrichten, dominieren in der Regel etablierte Medienhäuser mit hoher Domain-Autorität die erste Seite der Google-Ergebnisse (SERPs). Umso überraschender war das Ranking einer Nischenseite, die sich mit der Geschichte des Gründers Alex Kaiser und der Community-Rettung des Unternehmens beschäftigte. Obwohl die Seite in Bezug auf klassische Brand-Stärke kaum mit den nationalen News-Outlets konkurrieren kann, sicherte sie sich einen prominenten Platz in den organischen Treffern.
Der Schlüssel zu diesem Erfolg lag offensichtlich nicht allein in der Aktualität, sondern in der Tiefe und Aufbereitung des Contents. Der Artikel erzählte nicht nur die Geschichte nach, sondern bot einen enormen Kontextreichtum. Doch der eigentliche Hebel war technischer und struktureller Natur: Die Einbindung verschiedener Medienformate.
Die Macht der Content-Diversifizierung
Die Analyse dieses Falls verdeutlicht eine Strategie, die Google zunehmend belohnt: Die Transformation von reinem Text hin zu einem multimedialen Erlebnis. Der erfolgreiche Artikel bestand nicht nur aus geschriebenem Wort, sondern integrierte eine Podcast-Episode sowie ein eingebettetes YouTube-Video zum Thema.
Diese Vorgehensweise sendet starke Signale an den Algorithmus. Da Google Videos – insbesondere aus dem eigenen YouTube-Ökosystem – in den Suchergebnissen bevorzugt behandelt, erschien das Video der Nischenseite zusätzlich separat in den Suchtreffern. Das Learning für Content-Ersteller ist deutlich: Wer Themen holistisch abdeckt und den Nutzern die Wahl lässt, ob sie lesen, hören oder schauen möchten, erhöht seine Chancen auf ein Top-Ranking massiv. Reine Textwüsten haben es im Vergleich dazu immer schwerer.
Der Sprung in die KI-Antworten (AI Overviews)
Noch spannender als das organische Ranking ist das Verhalten der neuen Google AI Overviews. Im untersuchten Fall tauchte die Nischenseite auch im KI-generierten Antwort-Tab als Quelle auf. Dies offenbart einen interessanten Unterschied zu Chatbots wie ChatGPT. Während ChatGPT oft nur wenige Quellen (meist drei bis vier) heranzieht, scheint Google im KI-Modus eine deutlich breitere Basis von bis zu 30 oder 40 Quellen zu nutzen, um eine Antwort zu synthetisieren.
Das bedeutet für Webseitenbetreiber, dass die Hürde, als Quelle (Citation) genannt zu werden, potenziell niedriger ist als befürchtet – vorausgesetzt, die inhaltliche Qualität stimmt. Die KI sucht nach validen Informationen, um ihre Aussagen zu stützen, und greift dabei auch auf kleinere, aber fachlich tiefgehende Seiten zurück.
Wichtig ist grundsätzlich, die Sichtbarkeit bei Google und den KI-Tools im Auge zu behalten und zu analysieren. Hier eignen sich SEO- und KI-Tools wie das von Pagerangers beispielsweise.
Fazit: Volatilität aushalten, Qualität liefern
Trotz dieses Erfolgsbeispiels ist Vorsicht geboten. Beobachtungen zeigen, dass die Ergebnisse im KI-Modus derzeit noch stark fluktuieren („Randomness“). Es gibt noch kein festes Muster, das garantiert, wann eine Seite in die KI-Antwort aufgenommen wird. Mal erscheint der Link, bei einer erneuten Suche vielleicht nicht mehr.
Dennoch lässt sich eine klare Handlungsempfehlung ableiten: Die eigene Webseite sollte als zentrale Basis („Homebase“) dienen, auf der verschiedene Content-Formate gebündelt werden. Der bloße Fokus auf Text reicht oft nicht mehr aus. Wer seine Artikel durch Videos, Bilder und Audio anreichert, füttert die Trainingsdaten der KI über verschiedene Kanäle und maximiert so die Wahrscheinlichkeit, im neuen Suchzeitalter sichtbar zu bleiben.

