17. Juni 2026

Die Zukunft der KI – Google wird der dominante Player bei Suche, E-Commerce und KI-Agenten | Zahlen, Daten und meine Meinung #591

Wenn man heute die Schlagzeilen liest und sich fragt, wer das große KI-Rennen für sich entscheiden wird, denkt man fast automatisch zuerst an ChatGPT. Doch wer einen Schritt zurücktritt und auf die Zahlen, die Infrastruktur, die Daten und die Reichweite schaut, kommt schnell zu einem überraschenden Schluss. Ausgerechnet Google, vor zwei Jahren noch als KI-Verlierer abgeschrieben, bringt heute die stärkste Ausgangsposition mit. Letzte Woche auf dem E-Commerce Day war ein Mitarbeiter von Google anwesend, der aufgezeigt hat, wie Google die Zukunft sieht und wohin die Reise von Google im E-Commerce hingehen könnte. Darüber hinaus ist Google ausgezeichnet in der Breite aufgestellt, und genau darum soll es auch im Podcast gehen. Hört also unbedingt rein.

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Genau diese These hat Thomas Ottersbach nach einem Vortrag auf dem E-Commerce Day in Köln weiter beschäftigt. In der aktuellen Episode kombiniert er Zahlen, Daten und Fakten aus diesem Vortrag mit seiner eigenen Einschätzung und erklärt, warum aus seiner Sicht vieles dafür spricht, dass Google das KI-Game auf lange Sicht gewinnen wird. Es geht um den Full-Stack-Vorteil mit eigenen Chips und Rechenzentren, um gewaltige Investitionssummen, um eine kaum zu überbietende Datenbasis aus täglich Milliarden Suchanfragen und um eine Reichweite, die längst auf Augenhöhe mit ChatGPT liegt. Spannend wird es vor allem beim Blick in den E-Commerce, wo der Shopping Graph, die neue Universal Card und das Thema Agentic Commerce zeigen, welche Möglichkeiten sich hier auftun. Und mittendrin steht eine zentrale Erkenntnis, dass KI die Suche nicht ersetzt, sondern erweitert, und SEO weiterhin eine entscheidende Rolle spielt.

Der Full-Stack-Vorteil: eigene Chips, eigene Rechenzentren, gigantische Investitionen

Der erste und vielleicht wichtigste Punkt ist das, was sich als Full-Stack-Vorteil beschreiben lässt. Google kontrolliert die gesamte Wertschöpfungskette rund um KI und unterscheidet sich damit deutlich von OpenAI und Co. Allein für 2026 plant das Unternehmen Investitionen in Höhe von 180 bis 190 Milliarden Dollar. Das ist sechsmal so viel wie 2022 und doppelt so viel wie im Vorjahr. Kein anderes Unternehmen investiert mehr in KI-Infrastruktur.

Entscheidend ist dabei, dass Google nicht nur Geld in die Hand nimmt, sondern auch eigene Chips baut. Während OpenAI seine Chips bei NVIDIA einkaufen muss, produziert Google sein eigenes Silizium und betreibt eigene Rechenzentren mit eigenen Modellen. Gerade das Rennen um Chips kann zu einem ganz entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

Die KI-Wette finanziert sich aus dem laufenden Geschäft

Ein zweiter Vorteil liegt in der finanziellen Stabilität. Im ersten Quartal 2026 erzielte Alphabet knapp 110 Milliarden Dollar Umsatz, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Cloud-Geschäft wuchs um 63 Prozent, und der Auftragsbestand verdoppelte sich nahezu auf über 460 Milliarden Dollar. Die KI-Wette finanziert sich also aus dem laufenden Geschäft.

Das ist ein gewaltiger Unterschied zu vielen anderen KI-Systemen, die extrem viel Geld verbrennen und noch nach einem tragfähigen Geschäftsmodell suchen. Schon heute zeichnet sich ab, dass sich ein Angebot allein über ein 20-Dollar-Abo auf Dauer nicht finanzieren lässt.

Der Datenvorteil: Milliarden Suchanfragen als ständiges Trainingssignal

Das dritte Kernargument ist die Datenbasis. Google kann jede KI-Antwort live mit dem aktuellen Suchindex abgleichen, also mit Hunderten Milliarden indexierten Seiten, teils faktengeprüft und tagesaktuell. Täglich laufen rund 14 Milliarden Suchanfragen über das Google-Ökosystem, hochgerechnet über 5 Billionen pro Jahr, bei einem weltweiten Marktanteil von immer noch rund 90 Prozent. Jede einzelne dieser Anfragen ist gleichzeitig ein Trainingssignal für Nutzerintentionen.

Hinzu kommt, dass sich auch das Suchverhalten verändert hat. Früher haben Nutzer meist nur zwei oder drei Stichworte eingegeben, um an das passende Ergebnis zu gelangen. Heute werden häufiger ganze Fragen gestellt und es wird mit den Antworten interagiert. Bemerkenswert ist, dass nach wie vor rund 15 Prozent der täglichen Suchanfragen völlig neu sind und von Google noch nie zuvor gesehen wurden. Google lernt also permanent Dinge, die in keinem Trainingsdatensatz stehen können. Während Trainingsdaten anderer Systeme oft ein Jahr und älter sind, verifizieren sich KI-Antworten über das sogenannte Grounding, indem sie auf aktuelle Rankings und Suchdaten von Google, Bing und Co. zurückgreifen.

Reichweite und Distribution: längst auf Augenhöhe mit ChatGPT

Auch bei der Reichweite hat Google aufgeholt. Über drei Milliarden Nutzer verwenden die Google-Tools. Die AI-Overviews verzeichneten zuletzt über 2,5 Milliarden monatlich aktive Nutzer, und der KI-Modus hat innerhalb eines Jahres die Marke von einer Milliarde monatlich überschritten. Damit ist der KI-Modus allein schon größer als ChatGPT. Die Gemini-App zählt über 900 Millionen monatliche Nutzer, mehr als doppelt so viel wie noch ein Jahr zuvor.

Zur Einordnung: ChatGPT erreichte im Frühjahr 2026 rund 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer. Beide spielen also mittlerweile in derselben Liga. Den Unterschied macht die Distribution, denn Google kann seine Dienste über Android und Workspace ausspielen und dort quasi gratis integrieren. Genau das ist ein Vorteil, den andere Anbieter so nicht haben.

KI ersetzt die Suche nicht, sie erweitert sie

Eine zentrale These zieht sich durch die gesamte Argumentation. KI ersetzt die Suche nicht, sondern ist ein Teil davon. Erste Daten deuten sogar darauf hin, dass die Suchnachfrage bei Google nicht zurückgeht, sondern wächst. Der entscheidende Wandel besteht darin, dass aus einer einzelnen Suchanfrage ein fortlaufender Dialog wird. Die Suche entwickelt sich vom einmaligen Query hin zum Gespräch.

Agentic Commerce: der Shopping Graph als Trumpf im E-Commerce

Besonders spannend wird es beim Blick in den E-Commerce. Im Shopping Graph befinden sich über 60 Milliarden Produkte, laut Google der weltweit umfassendste Produktkatalog. Mehr als eine Milliarde Einkäufe werden täglich über Google abgewickelt. Diese Daten sind nicht statisch, denn mehr als zwei Milliarden Produktlistings werden stündlich aktualisiert, inklusive Preisen und Verfügbarkeiten in Echtzeit. Genau das fehlt ChatGPT und Co. bislang strukturell.

Wer künftig in Gemini etwa nach bestimmten Produkten wie Sneakern sucht, kann auf genau diese Shoppingdaten zugreifen. Damit entsteht ein enormer Vorteil gegenüber anderen KI-Systemen, und der Blick in die E-Commerce-Welt wird ein ganz anderer.

Universal Card und Universal Commerce Protokoll

Auf der diesjährigen Google I/O wurde mit der Universal Card ein zentraler Warenkorb vorgestellt. Damit können Nutzer Produkte direkt aus der Google-Welt, also aus Gemini, YouTube oder Gmail, in den Warenkorb legen, ohne zwischen Apps oder Webseiten wechseln zu müssen. Das System verfolgt im Hintergrund Preisänderungen, zeigt Preisverläufe und benachrichtigt Nutzer. Durch diese personalisierten Daten hat Google eine ganz andere Basis, um im E-Commerce mit KI zu agieren. Der Rollout der Universal Card ist für den Sommer dieses Jahres vorgesehen. Auch das Universal Commerce Protokoll als standardisierte Händlerschnittstelle ist ein Thema, das man im Auge behalten sollte.

Vom Helfer zum persönlichen Assistenten

Das Thema Agentic Commerce lässt sich als eine Art Zwischentechnologie verstehen, als Lückenschließer auf dem Weg zum personalisierten Agenten. Schon heute lässt sich KI nutzen, um Termine mit Kunden zu vereinbaren oder ein Restaurant zu buchen. Das kann Google bereits. Bei einem direkten Kauf, etwa wenn Gemini eigenständig einen Sneaker bestellen soll, gibt es allerdings noch Probleme. Wie Google selbst gezeigt hat, können Daten halluziniert oder schlicht fehlerhaft sein. Das nötige Vertrauen ist hier also noch nicht vollständig vorhanden.

Doch je mehr Daten Google über den einzelnen Nutzer erhält, sei es über die Suche, YouTube, Google Maps oder Gmail, desto besser wird das Verständnis pro Nutzer. Übertragen auf den E-Commerce entsteht so ein persönlicher Assistent, der Aufgaben abnimmt, Termine vereinbart und Produkte kauft. Verglichen mit den Möglichkeiten von ChatGPT, Perplexity oder Anthropic mit Claude sind die Dimensionen hier völlig andere. ChatGPT mag beim Use Case Texterstellung Vorteile haben, doch in der Breite ist Gemini schon heute ein größeres Modell mit breiterem Allgemeinwissen.

SEO bleibt wichtiger, als viele denken

Trotz all dieser Entwicklungen bleibt eine Erkenntnis bestehen. SEO ist weiterhin wichtig, um im Google-Universum in der organischen Sichtbarkeit eine Rolle zu spielen. Google setzt bereits seit 2018 auf KI, und an den Grundprinzipien der Optimierung hat sich in den letzten sechs bis acht Jahren wenig verändert. Was sich verändert hat, ist das Bewusstsein.

Nach wie vor gilt, dass hochwertige Inhalte entscheidend sind, um Trust und Vertrauen gegenüber dem Wettbewerb aufzubauen und die Zielgruppe mit den richtigen Antworten zu erreichen. Der Weg dorthin führt nicht mehr immer über den direkten Klick auf die eigene Webseite, sondern zunehmend über verschiedene Kanäle, auf denen man präsent bleiben muss.

Fazit: eine Vision, die gar nicht so unrealistisch ist

Niemand weiß mit Sicherheit, wie sich das KI-Game am Ende entwickeln wird. Doch das Fundament, das Google heute schon mitbringt, lässt im Vergleich zu den anderen KI-Tools einen klaren Schluss zu. Die These, dass Google das KI-Game auf lange Sicht für viele Bereiche gewinnen wird, ist alles andere als abwegig. Und gerade für Unternehmer eröffnet sich daraus die Chance, dass durch die Kombination der verschiedenen Google-Tools völlig neue Ideen und Visionen entstehen, die wir heute vielleicht noch gar nicht absehen können.

Thomas Ottersbach

Thomas Ottersbach ist geschäftsführender Gesellschafter der PageRangers GmbH. Seit über 20 Jahren ist er im Online-Business aktiv und hat verschiedene Unternehmen erfolgreich aufgebaut und veräußert. Thomas ist zudem Herausgeber/Produzent des beliebten SEO Podcasts (www.seosenf.de). Mit dem Podcast "Digitales Unternehmertum" gibt er nicht nur seine eigenen Erfahrungen als Unternehmer weiter, sondern durch die vielen Interview-Gäste gibt es für die Zuhörer:innen maximale Inspiration und Wissenstransfer rund um das digitale Business. Seit einigen Jahren dreht sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) das digitale Businessrad weiter. Auch hier ist Thomas Experte und hat ein eigenes Unternehmen in diesem Bereich aufgebaut. Du suchst Unterstützung für dein digitales Business und möchtest einen kostenlosen Beratungstermin mit Thomas vereinbaren? Dann suche dir einen Termin direkt online aus.

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