In der heutigen Episode widmen wir uns einer Frage, die in der LinkedIn-Bubble aktuell immer wieder hochkocht – und die fast ein wenig nach Science-Fiction klingt: Brauchen wir in ein paar Jahren überhaupt noch klassische Webseiten?
Oder anders gefragt: Steht das Internet, wie wir es kennen, vor einem seiner größten Umbrüche?
Auslöser dieser Diskussion ist – wie könnte es anders sein – die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz. KI-Modelle und Agenten filtern, analysieren und bewerten schon heute Informationen, beantworten Fragen, vergleichen Produkte, planen Reisen und geben sogar Kaufempfehlungen – ganz, ohne dass wir bewusst eine Website dafür öffnen.
Könnte KI das gesamte Webbrowsing übernehmen und die Webseite überflüssig machen?
Genau darüber sprechen wir heute. Ich zeige dir beide Seiten – die Szenarien, die für das „Ende der Webseite“ sprechen, und die Argumente, die klar dagegen stehen. Und am Ende gebe ich dir meine persönliche Einschätzung, wie sich Webseiten und KI in den kommenden Jahren wirklich entwickeln werden.
Warum manche glauben, dass Webseiten verschwinden könnten
Diese Diskussion entsteht vor allem durch die rasante Entwicklung von KI-Systemen. Modelle wie ChatGPT, Google Gemini, Perplexity oder spezialisierte KI-Agenten übernehmen bereits heute Aufgaben, für die wir früher Websites gebraucht haben: Sie analysieren, filtern, bewerten und liefern maßgeschneiderte Antworten, ohne dass wir jemals bewusst eine Seite öffnen müssen.
Dazu kommt:
- KI-Assistenten könnten in Zukunft komplett autonom Aufgaben übernehmen, wie Termine buchen – ein Feature, das Google schon vor Jahren demonstriert hat.
- KI könnte Produktempfehlungen aussprechen oder sogar Käufe tätigen, basierend auf Regeln wie Preis, Qualität oder Bewertungen.
- Denkbar wäre auch, dass Inhalte als dynamisch generierte Mini-Websites in Echtzeit entstehen – individuell angepasst an Kontext, Vorlieben oder Verhalten.
- Gerade im E-Commerce eröffnet das theoretisch Szenarien, in denen die KI automatisch Verbrauchsgüter nachbestellt oder Dienstleistungen bucht, ohne dass der Nutzer je auf eine Webseite muss.
Doch spätestens hier taucht die entscheidende Frage auf:
Darf eine KI überhaupt rechtsverbindliche Geschäfte für uns tätigen?
Und wie sieht es mit Haftung aus – ähnlich wie bei Urheberrechtsfragen rund um KI-generierte Inhalte? Hier merken wir schon: Das Szenario klingt futuristisch, aber die rechtlichen Grenzen sind heute noch völlig ungeklärt.
Warum Webseiten trotz KI nicht verschwinden werden
Nach dem Blick auf die Zukunftsvisionen müssen wir einen Schritt zurücktreten – und realistisch bleiben.
Denn es gibt eine Reihe starker Argumente, die ganz klar für den Fortbestand von Webseiten sprechen.
Ohne Webseiten gäbe es keine KI – zumindest nicht in dieser Qualität
Die großen Sprachmodelle leben von Webseiten:
- Texte
- Bilder
- strukturierte Informationen
Ohne diese Daten würde KI schlicht nicht funktionieren.
Die Grundlage für gutes Training entsteht also weiterhin im offenen Web – und wird auch in Zukunft gebraucht.
Unternehmen brauchen Orte für strukturierte, hochwertige Inhalte
Webseiten werden strategisch wichtiger, nicht unwichtiger. Gerade im Zeitalter der KI-Schwemme, in dem das Internet von generischen KI-Texten überflutet wird, gewinnt echte Qualität wieder enorm an Bedeutung. Kopierte KI-Texte ähneln sich so stark, dass sie langfristig an Relevanz verlieren. Also braucht es einzigartige Inhalte, klare Positionierung und echte Expertise – und dafür ist die Website weiterhin das zentrale Zuhause.
Visuelle und interaktive Erlebnisse bleiben wichtig
Menschen wollen erleben. Bilder, Videos, Tools, Rechner, Konfiguratoren, Karten. KI kann viel davon abdecken, aber eben nicht alles. Und viele Erlebnisse – gerade komplexe – machen auf der Website einfach mehr Sinn. Google testet zwar KI-Overviews mit eingebetteter Werbung, ChatGPT integriert E-Commerce-Funktionen und erlaubt teils Käufe im Chat. Aber das ersetzt keine komplette Website, sondern verändert nur die Customer Journey.
Breitere Präsenz wird zur Pflicht
Eine Website allein reicht nicht mehr – aber das hat sie früher oft auch nicht. Unternehmen müssen Inhalte breiter streuen, in mehr Marketingkanäle investieren und gleichzeitig ihre Website als Content-Hub stärken. Und diese Inhalte können über KI hervorragend recycelt und skaliert werden.
Was viele vergessen: Google ist immer noch da
Auch wenn KI-Suchen an Bedeutung gewinnen, bleibt Google ein absoluter Reichweitenkanal.
Selbst wenn 20–30 % des Traffics durch KI-Features verloren gehen, bleiben 60–70 % weiterhin relevant.
Was tut sich hier?
- Suchanfragen werden granularer.
- User stellen Google Fragen, wie sie sie der KI stellen würden.
- AI Overviews ergänzen klassische Rankings – sie ersetzen sie nicht.
Für Unternehmen heißt das:
Noch mehr Fokus auf Differenzierung, Qualität und Zielgruppenverständnis.
Webseiten als unverzichtbare Basis
Und dann gibt es noch einen Punkt, der oft übersehen wird:
Glaubt wirklich jemand, dass Behörden, Medien, Bildungseinrichtungen oder SaaS-Anbieter ihre Websites aufgeben?
Selbst wenn Tools wie ChatGPT Plugins für Spotify, Figma oder andere Dienste testen, bleiben diese Integrationen letztlich Erweiterungen, nicht Ersatz.
Webseiten dienen als:
- zentrale Informationsquelle
- Vertrauensanker
- Basis für Services
- Plattform für komplexe Interaktionen
Genau deshalb werden sie bleiben – nur in neuer Form, mit neuen Schwerpunkten.
Die große Aufgabe: Die Website neu denken
Unternehmen müssen ihre Seite künftig anders sehen:
- mehr Individualität
- mehr Service entlang der Customer Journey
- granulareres Zielgruppenverständnis
- strategischer Content-Aufbau
- kanalübergreifende Nutzung der Inhalte
Kurz gesagt:
Webseiten verschwinden nicht – sie verändern sich.
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