10. Februar 2026

Anders denken: Wie Neurodiversität Unternehmen stärker macht | Gespräch mit Anne Matern #578

Neurodiversität ist kein Randthema mehr – auch wenn viele Unternehmen sie noch immer nicht bewusst mitdenken. In dieser Podcastfolge spreche ich mit Anne Matern über die Vielfalt menschlicher Denk- und Arbeitsweisen und darüber, warum klassische Arbeitsmodelle oft an der Realität vorbeigehen.

Der Einstieg macht deutlich: Menschen funktionieren unterschiedlich – und genau darin liegt enormes Potenzial für Unternehmen, Führungskräfte und Teams. Wir besprechen, was Neurodiversität im beruflichen Kontext wirklich bedeutet, warum sie immer relevanter wird und wie Organisationen davon profitieren können, wenn sie Arbeitsbedingungen neu denken.

Was bedeutet Neurodiversität im Arbeitskontext?

Neurodiversität beschreibt die Tatsache, dass kein Gehirn dem anderen gleicht. Unterschiedliche Erfahrungen, Lebensumstände und biologische Faktoren führen dazu, dass Menschen Informationen unterschiedlich wahrnehmen, verarbeiten und bewerten. Anne Matern macht klar, dass Neurodiversität alle betrifft – nicht nur Menschen mit ADHS, Autismus oder anderen neurodivergenten Ausprägungen. Auch Elternschaft, hormonelle Veränderungen oder Stress beeinflussen die Arbeitsfähigkeit und Konzentration. Die Arbeitswelt verlangt jedoch häufig eine gleichförmige Leistungsfähigkeit, die dem Menschen so nicht entspricht.

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Neurotypisch vs. neurodivergent – eine notwendige Unterscheidung

Im Gespräch wird zwischen neurotypischen und neurodivergenten Menschen unterschieden. Zu den Neurodivergenten zählen unter anderem Menschen mit ADHS, Autismus oder Trisomie. Entscheidend ist jedoch: Spätestens ab etwa 20 Mitarbeitenden ist statistisch fast immer mindestens eine neurodivergente Person im Unternehmen. Viele maskieren ihre Besonderheiten aus Angst vor Stigmatisierung – was langfristig zu Erschöpfung, Burnout oder Depressionen führen kann.

„Gleichbehandlung ist nicht automatisch gerecht – gerecht ist, wenn jeder die Bedingungen bekommt, die er braucht.“

Warum starre Arbeitsmodelle Leistung verhindern

Klassische 9-to-5-Modelle ignorieren individuelle Leistungsphasen. Manche Menschen sind morgens hochproduktiv, andere abends. Manche benötigen absolute Ruhe, andere funktionieren zuverlässiger im Austausch. Anne beschreibt anschaulich, dass Gleichbehandlung nicht automatisch Gerechtigkeit bedeutet. Gleiche Bedingungen für alle können dazu führen, dass einzelne ihr Potenzial nicht entfalten können – während flexible Modelle allen zugutekommen.

Corona als Türöffner – und verpasste Chancen

Die Pandemie hat gezeigt, dass flexibles Arbeiten möglich ist. Homeoffice, flexible Zeiten und neue Kommunikationsformen wurden schnell etabliert. Umso unverständlicher erscheint es, dass viele Unternehmen wieder zu alten Strukturen zurückkehren. Dabei wäre genau jetzt die Chance, individuelle Arbeitsmodelle dauerhaft zu integrieren und Mitarbeitende nach ihren Bedürfnissen arbeiten zu lassen.

Neurodiversität als echter Wettbewerbsvorteil

Divers zusammengesetzte Teams sind kreativer, innovativer und widerstandsfähiger. Menschen mit ADHS bringen oft außergewöhnliche Kreativität und Vernetzungsfähigkeit mit, Autist:innen erkennen Muster und Strukturen, die anderen verborgen bleiben. Unternehmen, die diese Fähigkeiten gezielt einsetzen, verschaffen sich klare Vorteile – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und Innovationsdruck.

Führung neu denken: Empathie statt Hierarchie

Gute Führung bedeutet nicht, fachlich der Beste zu sein. Anne betont, dass Führungskräfte empathisch sein, zuhören und Bedürfnisse erkennen müssen. Kommunikation, Struktur und Klarheit sind entscheidend – besonders in diversen Teams. Wer Führung allein als Belohnung für Leistung versteht, verschenkt Potenzial und riskiert Frustration im Team.

Mentale Gesundheit als unternehmerische Verantwortung

Neurodivergente Menschen sind besonders anfällig für mentale Überlastung. Reizüberflutung, permanente Unterbrechungen durch Tools und fehlende Rückzugsmöglichkeiten führen schneller zu Burnout. Arbeitgeber tragen hier Verantwortung – nicht nur aus Fürsorge, sondern auch aus unternehmerischer Sicht. Denn mentale Ausfälle treffen immer das gesamte Team.

Fünf zentrale Learnings aus dem Podcast

  1. Arbeitsmodelle müssen individueller werden, um Leistung zu ermöglichen.
  2. Neurodiversität betrifft jedes Unternehmen – ob bewusst oder unbewusst.
  3. Führung erfordert Empathie, nicht nur Fachkompetenz.
  4. Mentale Gesundheit ist ein wirtschaftlicher Faktor.
  5. Vielfalt steigert Kreativität und Innovationskraft.

FAQ – Häufige Fragen aus dem Podcast

Was ist Neurodiversität?
Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt menschlicher Gehirne und Denkweisen.

Wie viele Menschen sind neurodivergent?
Rund 20 % der Menschen weisen eine Form von Neurodivergenz auf.

Sollte man Neurodivergenz im Job offen ansprechen?
Das hängt stark vom Umfeld ab. Offenheit kann helfen, birgt aber noch immer Risiken durch Stigmatisierung.

Warum sind Großraumbüros problematisch?
Sie führen zu Reizüberflutung, insbesondere bei Menschen mit ADHS oder hoher Sensibilität.

Welche Rolle spielt Kommunikation?
Sie ist zentral, um Bedürfnisse sichtbar zu machen und Missverständnisse zu vermeiden.

Fazit

Neurodiversität ist kein „Nice-to-have“, sondern ein entscheidender Faktor für die Zukunft der Arbeit. Unternehmen, die bereit sind zuzuhören, umzudenken und individuelle Lösungen zuzulassen, werden langfristig erfolgreicher sein. Wer tiefer in das Thema eintauchen möchte, findet im Podcast Digitales Unternehmertum wertvolle Impulse und praxisnahe Perspektiven.

Hört oder schaut euch den Podcast an

So, nun hört euch das Thema im Podcast an. Gerne auch auf Youtube als Video. Unser Podcast kann direkt hier im Artikel angehört werden. Zudem sind wir bei iTunes für alle iOS und Apple-Devices kostenlos verfügbar. Auch könnt ihr unseren Podcast bei YouTubeSpotify, oder Amazon Music anhören.

Euer Feedback an mich!

Wenn ihr mir eine Frage stellen oder Feedback zum Podcast per Sprachnachricht übermitteln wollt – egal, ob per Smartphone, Tablet oder via Rechner, dann nutzt doch bitte unsere Message-Funktion. Gerne teilt mir auch Themenwünsche mit, die ihr gerne im Podcast mal besprochen haben wollt. Alternativ könnt ihr mir gerne auch eine E-Mail schreiben oder mich per LinkedIn kontaktieren.

Gespräch mit Anne als Video anschauen

Ihr könnt euch das Gespräch mit Anne auch als Video gerne anschauen,

Thomas Ottersbach

Thomas Ottersbach ist geschäftsführender Gesellschafter der PageRangers GmbH. Seit über 20 Jahren ist er im Online-Business aktiv und hat verschiedene Unternehmen erfolgreich aufgebaut und veräußert. Thomas ist zudem Herausgeber/Produzent des beliebten SEO Podcasts (www.seosenf.de). Mit dem Podcast "Digitales Unternehmertum" gibt er nicht nur seine eigenen Erfahrungen als Unternehmer weiter, sondern durch die vielen Interview-Gäste gibt es für die Zuhörer:innen maximale Inspiration und Wissenstransfer rund um das digitale Business. Seit einigen Jahren dreht sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) das digitale Businessrad weiter. Auch hier ist Thomas Experte und hat ein eigenes Unternehmen in diesem Bereich aufgebaut. Du suchst Unterstützung für dein digitales Business und möchtest einen kostenlosen Beratungstermin mit Thomas vereinbaren? Dann suche dir einen Termin direkt online aus.

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