31. Januar 2023

Künstliche Intelligenz und Texterstellung: Was geht und was nicht? #426

Im heutigen Podcast möchte ich mit euch darüber sprechen, wie künstliche Intelligenz (KI) euch heute bereits bei der Text- und Inhaltserstellung helfen kann. Ihr könnt mit KI euren gesamten Text-Produktionsprozess verschlanken, vielleicht sogar noch bessere Inhalte produzieren und somit den gezielten Sichtbarkeitsaufbau für euer Unternehmen auch bei Google beschleunigen.

Künstliche Intelligenz spielt an vielen Stellen eine immer wichtigere Rolle. Ich möchte das Thema auf die Inhaltserstellung heute begrenzen. Also, es wird weitere Podcast Episoden zu dem Thema geben, immer dann, wenn es neue Erkenntnisse oder eben etwas Berichtenswertes zum Thema gibt.

OpenAI mit GPT-3 der Branchenstandard aktuell

Fangen wir mal ganz vorne an. Es gibt Vielzahl verschiedener KI Tools, die bei der Texterstellung mittlerweile helfen. Als Basis verwenden die Tool-Anbieter ein von Open AI zur Verfügung gestelltes Sprachmodell, namens GPT 3, was aktuell in der dritten Generation zur Verfügung steht. Der Entwicklungsprozess ist dabei echt faszinierend. Mit der ersten Generation konnte man eigentlich noch keine Texte verfassen. Mit der nun dritten Generation sieht das anders aus. Die vierte Generation ist bereits im Training und soll wohl im Frühjahr 2023 zur Verfügung gestellt werden. Und die vierte Generation soll ein „Monster“ werden und einen weiteren großen Evolutionsschritt bedeuten.

OpenAI wurde 2015 als gemeinnütziges Forschungsinstitut gegründet – beteiligt waren gleich mehrere prominente Gründer: Tesla-Chef Elon Musk, Paypal Gründer Peter Thiel und auch Microsoft

Ziel der Organisation sollte es sein, Künstliche Intelligenz zu erforschen, neue Modelle und Erkenntnise zu entwickeln, und diese mit anderen Institutionen und der Öffentlichkeit zu teilen. Daher auch der Name: OpenAI, offene KI.

Was ist GPT-3?

GPT-3 ist die dritte Generation und ein Sprachmodell, das auf einem per Deep Learning trainierten Künstlichen Neuronalen Netz (KNN) basiert. Als Grundlage für das Sprachmodell sind Milliarden von Internetseiten erfasst worden, sodass die künstliche Intelligenz durch die großen Textmengen in der Lage ist, Texte selbstständig zu verfassen.

Einsatzzwecke von GPT-3 basierten Themen

Bevor ich auf die qualitativen Aspekte zu sprechen komme, möchte ich euch einen Überblick über die wesentlichen Einsatzzwecke geben:

  • KI kann neue Texte erstellen
  • KI kann Texte vervollständigen
  • KI kann Texte zusammenzufassen
  • KI kann Texte auch übersetzen
  • KI kann Fragen beantworten
  • KI kann bestimmte Schreibstile berücksichtigen
  • KI kann sogar in Teilen Programmiercode erstellen
  • KI kann Tabellen mit Informationen befüllen
  • KI kann Bilder erstellen
  • KI kann man Videos umsetzen

KI kann keine kompletten Texte schreiben, die ohne Anpassung nutzbar sind

Wer sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat, weiß, dass KI nicht eins zu eins verwendet werden kann. Das wäre aus mehreren Gründen sogar fahrlässig. Da KI keine inhaltlichen Zusammenhänge versteht, sondern auf Basis von einem statistischen Modell (Sprachmodell) Wörter praktisch aneinander reiht, wird denke ich klar, weshalb das mit kompletten und insbesondere längeren und informativen Inhalten nichts wird. Von hochwertigen und perfekt auf die Zielgruppe abgestimmte Inhalte kann also nicht gesprochen werden.

Es gibt Ausnahmen, aber nur wenige

Es gibt durchaus aber auch ein paar wenige Szenarien, wo man auf den KI Text bereits heute zurückgreifen könnte:

  • Produkttexte, wo nur Varianten oder einzelne Dinge verändert werden müssen
  • Glossare / Lexika Texte, wenn man nicht den Anspruch hat, den voll umfänglichsten Text zum Thema zu erhalten

Aber auch hier gilt. Seid vorsichtig und eine Empfehlung ist das nicht. Wer weiß, was passiert, wenn Google & Co. hier Muster erkennen und der Sichtbarkeitserfolg nur von kurzer Dauer ist? Hochwertige Inhalte sollten vom Mensch erstellt und inhaltlich auch immer geprüft werden.

Warum KI Texte nicht ohne Anpassung genutzt werden sollten

Es gibt sehr viele Gründe, weshalb ihr KI Texte niemals ohne Anpassung verwenden solltet.

  • Keine KI kann einen Text so formulieren, dass der Text auf ein bestimmtes Contentziel einzahlt. Bestimmte Handlungsstränge, das bewusste führen der Leser ist nicht möglich
  • KI Texte enthalten oftmals falsche Informationen oder Fakten (z.B. Alkohol, Hausbaubeispiel) – fachlicher ein Thema in die Tiefe umgesetzt werden soll, desto mehr müssen die Fakten und Sachzusammenhänge geprüft werden
  • KI kann keine qualitativ hochwertigen Inhalte produzieren. Der Anspruch an die Nutzer, insbesondere auch im B2B ist sehr hoch. Dinge wie Lesefluss, bestimmter Aufbau der Texte, aber auch Emotionen, Entertainement, etc. kann KI nicht leisten
  • KI Texte können bei höherem Nutzungsgrad statisch wirken, Einheitsbreie und somit der Anspruch verfehlt werden, dass man den besten Inhalt zu einem Thema entwickeln will
  • Hohes Risiko für einen nachhaltigen Sichtbarkeitsverlust bei Google & Co.
  • Rechtliche Grauzonen müssen beachtet werden.

Wo KI Texte an Grenzen stoßen – ein Beispiel

Ich habe einem KI Tool die Begriffe “Hausbau, Kosten, Ablauf” gegeben und auf dieser Basis habe ich ein Blog-Artikel von der KI schrieben lassen. Herausgekommen ist ein völlig unbrauchbarer Text:

Beispieltext, der mit der KI geschrieben wurde

Ich habe viele unterschiedlichen Themen ausprobiert. Manchmal funktioniert es besser, mal aber auch katastrophal, wie in meinem Beispiel.

Ist duplicated Content mit KI wirklich nicht möglich?

Vielleicht noch ein weiteres Beispiel, was sehr gut zeigt, KI einfach so und unbearbeitet nutzen, ist keine gute Idee. In dem folgenden Beispiel habe ich einfach zweimal die gleiche Abfrage der KI gestellt. Zwar offerieren die meisten KI-Tools, dass zu 99,X Prozent kein duplicated Content entsteht, meine Tests lassen anderes vermuten:

Beispiel – 1. Abfrage
Die UNESCO erklärte den Kölner Dom 1996 zu einem der Weltkulturerben. Der Kölner Dom ist nach dem Ulmer Münster die zweithöchste Kirche Deutschlands und das dritt höchste Gotteshaus der Welt.

Beispiel – 2. Abfrage
Die UNESCO erklärte den Kölner Dom 1996 zu einem der Weltkulturerben. Er ist nach dem Ulmer Münster die zweithöchste Kirche Deutschlands und das dritt höchste Gotteshaus der Welt.

Alleine dieser Absatz klingt schon sehr ähnlich und teilweise sind die Worte eins zu eins verwendet. Macht euch selbst ein Bild und prüft sehr genau, welche KI-Inhalte ihr verwendet und welche besser angepasst werden sollten. In meinen Test sind auch ganze Absätze sehr ähnlich gewesen und daher ein wichtiger Grund – niemals eins zu eins auf die KI Texte setzen.

Wie kann KI nun den Texterstellungsprozess effizienter gestalten?

Es gibt einige Ansätze, wie der gesamte Text- oder Contenterstellungsprozess also effektiver umgesetzt werden kann:

  • Wir haben gelernt, KI Tool schreiben keine Texte. Es ist fahrlässig, ausschließlich daraufzusetzen
  • KI kann zu Recherchen verwendet werden (aber Vorsicht)
  • KI kann Themenfinden
  • KI Tools können aber helfen, den Produktionsprozess schlanker zu halten
  • KI kann einen Textanfang schreiben und Blockaden lösen
  • KI kann dir Fragen zu einem Thema aufzeigen und inspirieren
  • KI kann aus mehreren Artikeln / Absätzen eine Zusammenfassung schreiben
  • KI kann Headline Alternativen produzieren
  • KI kann ein Snippet generieren (Title und Description)
  • KI kann verschiedene Fakten oder Daten weitere Schlüsse ziehen
  • KI kann Suchintentionen erfassen (klappt nur bedingt)
  • KI kann Grammatik, Rechtschreibung von Texten verbessern

Welche KI-Tools gibt es?

Es gibt eine Reihe an Tools, die in unterschiedlichen Dimensionan, aber auch Qualitäten zur Verfügung steht. Die meisten der Tools greifen auf dieselbe Quelle zurück. Open AI bietet aber auch Möglichkeiten der eigenen, weiteren Trainings. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen gerne mal:

  • Die Content-Suite bietet nicht nur den gesamten Workflow für die Textproduktion. Angefangen von der Keyword-Recherche, über diverse weitere Analysen. Auch eine KI-Funktion ermöglicht, den Text auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse direkt weiterzuverarbeiten. (Link)
  • Neuroflash (Link)
  • Jasper (Link)
  • Frase (Link)
  • Copy (Link)
  • Copysmith (Link)
  • AI Writer (Link)
  • Copy Cockpit (Link)
  • ChatGPT (Link)

GPT-4 wird im Frühjahr 2023 kommen

Die vierte Generation von GPT ist im vollen Training. Es wird vermutet, dass GPT-4 bereits im Frühjahr 2023 für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird. Wenn man die Evolutionsschritte von der zweiten auf die dritte Generation sieht, lässt sich erahnen, wie viel besser die vierte Generation werden wird.

Technisch wird GPT-4 wohl weitere Parameter berücksichtigen und mit wesentlich mehr Daten trainiert sein, als die aktuelle GPT-3 Variante. Dazu sind wesentlich mehr Internetseiten erfasst und Daten berücksichtigt worden. GPT-3 stammt aus dem Jahr 2019.

Auch wenn GPT-4 nochmal einen Schritt nach vorne machen wird, die Schwächen bleiben. Denn dem KI-Modell fehlt ein grundlegendes Verständnis für Sprache, was teilweise zu falschen Aussagen führt. Es fehlt einfach an der Verlässlichkeit, was nicht zuletzt auch OpenAI Mitgründer Sam Altman zu der Aussage brachte, dass man ChatGPT und somit GPT 3.5 nicht für wichtige Aufgaben alleine nutzen sollte.

Google hat längst eigene Sprachmodelle im Einsatz

Google hat längst eigene Sprachmodelle entwickelt. Mit „MUM“ (Multitask Unified Model) arbeitet Google mit künstlicher Intelligenz und beantwortet komplexe Suchanfragen mit multimodalen Daten. Google verfügt selbst mit PaLM bzw. LaMDA für Dialoge – über eigene Sprachmodelle. Daher wird aktuell auch viel darüber spekuliert, wie Google auf den KI-Hype aufspringen wird, ohne das eigene Geschäftsmodell zu stark zu gefährden? Denn Google hat ein großes Interesse daran, dass sich Open AI nicht als der „Google Killer“ entwickelt und zu einer Verschiebung der Trafficreichweite führt. Das wäre für Google fatal, da der Konzern immer noch rund 80 Prozent des Umsatzes durch Werbung erwirtschaftet.

Fazit

KI schreibt noch keine vollständigen Texte. Immer noch nicht und das wird auch wohl – und da lehne ich mich aus dem Fenster, auch in absehbarer Zeit nicht so sein. Zumindest dann nicht, wenn man einen gewissen Qualitätsanspruch hat und informationelle Texte schreibt. Für kurze Texte, Produkttexte, Glossare, Wikis, etc. kann man die Texte verwenden. KI Tool sind aber dennoch ein mega relevantes Werkzeug, um eben den gesamten Content-Erstellungsprozess abzukürzen und produktiver zu gestalten. Inspiration, Schreibblockaden, Recherche, Generierung von Headlines, Absätzen, etc.

Beschäftigt euch damit, ich bin hier tief im Thema. Wenn Fragen aufkommen, gerne melden.

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Thomas Ottersbach

Thomas Ottersbach ist geschäftsführender Gesellschafter der PageRangers GmbH. Seit über über 20 Jahren ist er im Online-Business aktiv und hat verschiedene Unternehmen erfolgreich aufgebaut und veräußert. Er ist zudem Herausgeber/Produzent des beliebten SEO Podcasts (www.seosenf.de). Mit dem Podcast "Digitales Unternehmertum" gibt er nicht nur seine eigenen Erfahrungen als Unternehmer weiter, sondern durch die vielen Interview-Gäste gibt es für die Zuhörer:innen maximal Inspiration und Wissenstransfer rund um die digitale Welt.

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