22. Februar 2024

Ist Home-Office und flexibles Arbeiten endgültig gescheitert? #482

Wir erleben aktuell sehr viel Bewegung, was Home-Office Regelungen und flexibles Arbeiten angeht. Immer wieder liest man, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden ins Office zurückholen. Teilweise komplett, teilweise stark reduziert, was die Home-Office Tage angeht.

Ein Bericht über unser deutsches Vorzeigeunternehmen SAP hat mich in den letzten Tagen nachdenklich gemacht und ich habe recherchiert, wie die Entwicklung sich in den letzten Jahren dort dargestellt hat.

Im Podcast möchte ich über das Thema Home Office und flexibles Arbeiten mit euch sprechen. Home Office ist ein probates Mittel und sicherlich nicht mehr wegzudenken. Die Art und Weise, wie aber Home Office zum Teil verstanden wird, muss neu definiert werden. Wie anders ist zu erklären, dass immer mehr Unternehmen einen Rückzieher machen und ihre Mitarbeitenden ins Unternehmen zurückholen. Nicht zu 100 Prozent, aber zu einem signifikanten Anteil. SAP ist ein Beispiel, wie ein Veränderungsprozess aussehen kann. Von einer Remote only Company, zumindest bestand die Möglichkeit, verändert sich das Unternehmen zu einer hybriden Company, wo Mitarbeitende mindestens drei Tage in der Woche im Office oder bei Partnern verbringen müssen.

100 Prozent flexibler Arbeitsplatz als Norm, nicht als Ausnahme

Vor gut 2,5 Jahren teilte SAP mit, dass man seinen 100.000 Mitarbeitenden künftig einen 100 Prozent flexiblen Arbeitsplatz möglich machen werde, der als Norm und nicht als Ausnahme gelten solle. Rund 95 Prozent der Mitarbeitenden haben sich damals für diese Regelung starkgemacht, wie das Manager Magazin damals berichtete.

SAP Mitarbeiter müssen mindestens 3 Tage zurück ins Office

Vor wenigen Tagen ging die Meldung umher, SAP holt seine Mitarbeitenden zurück ins Office. Diese Meldung ist irgendwie eingeschlagen und hat bei mir auch was ausgelöst, sich mit dem Thema noch mal intensiver zu befassen. Von der uneingeschränkten Flexibilität zurück zu ein wenig mehr Starrheit. Denn ab sofort gilt bei SAP folgendes:

„Ab diesem Monat und mit einer Übergangsfrist bis Ende April 2024 setzen wir voraus, dass Mitarbeitende drei Tage pro Woche im Büro oder vor Ort bei Kunden oder Partnern arbeiten“

sueddeutsche.de

Dabei bleibt es aber nicht und SAP geht einen Schritt noch weiter

Neues Bewertungssystem soll Leistung der Mitarbeitenden besser beurteilen

Scheinbar doch nicht ganz so einfach, die Performance eines jeden Mitarbeitenden Remote zu beurteilen. Auch hier scheint SAP einen Schritt rückwärts zu machen. Volle Vertrauensarbeit, egal wann und wo – langfristig habe ich immer gesagt, ist die Umsetzung von 100 Prozent Remote und flexibel schwierig – zumindest pauschal. Wir als kleines Unternehmen mit 10 Mitarbeitenden haben anderes Ziel und andere Voraussetzungen als ein Konzern mit 100.000 Mitarbeitenden. Nicht alle Berufe, nicht in allen Branchen ist diese Flexibilität umsetzbar, auch wenn es häufig in den Medien so propagiert wird und einige Unternehmen dies auch immer wieder als ihren „USP“ betonen.

Ist Vertrauen für SAP weniger relevant?

Passt das zudem, was SAP vor rund 3 Jahren kommuniziert hat. Alle Mitarbeitenden sollen die maximale Freiheit in Bezug auf die eigene Arbeit haben. Vertrauen ist die Basis dafür und mit Einführung eines neuen Bewertungssystems ist es nachvollziehbar, dass viele Mitarbeitenden bei SAP unglücklich mit der Entwicklung sind.

Bezahlte Freistellung für Väter gestrichen

Eigentlich wollte SAP eine vierwöchige, bezahlte Freistellung für Väter umsetzen. Im September 2022 berichtete die Tagesschau über das Vorhaben. SAP wird die Ankündigung nicht umsetzen und eine bezahlte Freistellung für Väter wird es erst einmal nicht geben.

SAP mutig und Einsichtig!

Für die Mitarbeitenden ist es sicherlich ein großer Einschnitt, da SAP als das Vorzeigeunternehmen in Sachen Modernes Arbeiten galt. In einem Golem-Artikel wird ein SAP-Sprecher, wie folgt zitiert. Man entwickle die

„besten Praktiken auf dem Markt und an unsere eigenen Erfahrungen als Vorreiter in Sachen Hybridarbeit“. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit im Home-Office und im Büro fördere „die Produktivität und Innovationskraft als auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter.“

Das hört sich jedenfalls anders an als vor rund 2,5 Jahren. Auf der anderen Seite finde ich es mutig, sich als eines der großen Unternehmen in Deutschland, einzugestehen, dass die Annahme pauschal so nicht haltbar ist und in Summe vielleicht doch ein ausgewogenes Verhältnis von Home-Office und Präsenz im Office die bessere und nachhaltigere Lösung ist.

Ich selbst bin ein Verfechter von Home-Office, wenn es die Entwicklung und Ziele des Unternehmens nicht gefährdet. Nicht jedes Team, nicht jeder Mitarbeitender ist für 100% Home-Office geeignet. Manch einer benötigt das „Wir-Gefühl“ aus dem Office, ist motivierter, wenn man im Team agiert, sich spontan austauschen kann, etwas mittags essen geht oder sonst hier und da Zeit verbringt.

Home-Office ist wichtig, um Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Home-Office ist für viele Unternehmen wichtig, um dem Fachkräftemangel entgegenwirken zu können und die besten Mitarbeitenden für ihr Unternehmen gewinnen zu können. Egal, ob sie vor Ort sind oder an einem anderen Fleck auf der Erde zu Hause sind.

Produktivität, Team-Gefühl und Werte

Aus meiner subjektiven Sicht sind es die drei Attribute, die ein ausgewogenes Verhältnis von Home-Office und Office-Präsenz notwendig machen. Wenn ein Mitarbeitender eines der Themen nicht zu 100% erfüllen kann – aus welchen Gründen auch immer, ist Remote first bzw. Remote only auf Dauer nicht zielführend.

Vielmehr denke ich, dass Flexibilität neu definiert werden sollte. Und zwar sollte das jedes Unternehmen für sich machen und dabei nicht auf pauschale Aussagen oder gar Worthülsen hören. Ja, wir müssen uns um Mitarbeitende bemühen und ihnen auf gewisse Art und Weise den roten Teppich auslegen. Aber bitte immer nur so weit, wie es für das Unternehmen vertretbar ist. Wenn SAP nach den Jahren analysiert hat, dass die „totale Freiheit“ nicht zielführend ist und die Entwicklung des Unternehmens auf irgendeine Art und Weise hemmt, sollte man das akzeptieren. Auch wenn es im ersten Moment schwierig ist. SAP ist und bleibt ein Vorzeigeunternehmen, dass schlussendlich den Mut besessen hat, größere Einschnitte umzusetzen, damit nachhaltig weiter agiert werden kann.

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Thomas Ottersbach

Thomas Ottersbach ist geschäftsführender Gesellschafter der PageRangers GmbH. Seit über 20 Jahren ist er im Online-Business aktiv und hat verschiedene Unternehmen erfolgreich aufgebaut und veräußert. Er ist zudem Herausgeber/Produzent des beliebten SEO Podcasts (www.seosenf.de). Mit dem Podcast "Digitales Unternehmertum" gibt er nicht nur seine eigenen Erfahrungen als Unternehmer weiter, sondern durch die vielen Interview-Gäste gibt es für die Zuhörer:innen maximale Inspiration und Wissenstransfer rund um die digitale Welt. Seit einiger Zeit dreht sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) das digitale Businessrad weiter. Auch hier ist Thomas Experte und hat ein eigenes Unternehmen (contentpipe.io) in diesem Bereich.

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